Leichte Sprache
Was ist die Leichte Sprache und was unterscheidet sie von der Einfachen Sprache?
Um sich in der westlichen Gesellschaft zurechtzufinden, ist es unerlässlich, sowohl materiellen als auch geistigen Zugang zum schriftlichen Informationssystem zu haben, denn die geschriebene Sprache spielt in unserer Gesellschaft eine wesentliche Rolle. Anders ausgedrückt ist es nicht nur wichtig zu wissen, wo Informationen zu finden sind, sondern auch wie diese zu verstehen bzw. zu interpretieren sind. Diesbezüglich haben es Personen mit Lernbehinderungen, Nicht-Muttersprachler:innen oder Personen, die das Lesen und Schreiben nicht gewohnt sind, oft schwer. Leider führen eingeschränkte Lesefähigkeiten allerdings dazu, dass für genau diese Personen der Informationszugang entweder nur eingeschränkt möglich, oder teilweise sogar gänzlich unmöglich ist. Aufgrund dessen werden sie aus unserem gesellschaftlichen Zusammenleben teilweise ausgeschlossen – was selbstverständlich nicht zur Schaffung einer gerechten und partizipativen Gesellschaft beiträgt. Genau aus diesem Grund ist es wichtig, Informationen zur Verfügung zu stellen, die auch für Personen mit intellektuellen Einschränkungen lesbar und verständlich, d. h. für (fast) jede Person zugänglich und somit inklusiv sind.
Was ist die Leichte Sprache?
Die Leichte Sprache (auf Englisch „Easy to Read“) ist eine internationale Methode zur Vereinfachung des Sprachverständnisses. Die in verschiedenen Texten, Videos und Audios enthaltenen Begriffe werden hierbei auf möglichst verständliche Art und Weise kommuniziert, damit die Inhalte für (fast) jede Person nachvollziehbar sind.
Auf europäischer Ebene wird die Entwicklung der Leichten Sprache von Inclusion Europe gefördert, dem europäischen Verband, der sich für die Rechte und Interessen von Menschen mit Lernbehinderung und ihren Familien in ganz Europa einsetzt.

Für wen ist die Leichte Sprache gedacht?
Leichte Sprache richtet sich in erster Linie an Menschen mit geistiger Behinderung, Legasthenie, ADHS (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung), Autismus, Demenz und Gehörlosigkeit.
In Leichter Sprache verfasste Texte können aber auch für Personen geeignet sein, die aufgrund diverser Faktoren, wie etwa fortgeschrittenes Alter, mangelnde Sprachkenntnisse oder fehlende Lese- und Schreibgewohnheit, Schwierigkeiten beim Lesen und Leseverstehen haben. Zur Zielgruppe zählen also unter anderem auch ältere Menschen, Kinder, Nicht-Muttersprachler:innen, Menschen mit niedrigem Bildungsniveau bzw. bildungsferne Personen und funktionale oder erworbene Analphabet:innen. Für die diese doch recht umfangreiche Personengruppe sind in der Regel auch Texte in Einfacher Sprache zugänglich, worauf weiter unten eingegangen wird.
Das potenzielle Zielpublikum der Leichten Sprache ist also sehr breit. In ihrem Aufsatz „Dal plain language all'easy-to-read per lettori con disabilità intellettive: oltre la semplificazione“ („Von der Einfachen bis zur Leichten Sprache für Leser mit geistiger Einschränkung: jenseits der Vereinfachung“) weist die italienische Wissenschaftlerin Floriana C. Sciumbata darauf hin, dass genau diese Bandbreite an potenziellen Leser:innen es schwer macht, Texte zu erstellen, die sich für alle Adressat:innen eignen.
Worauf zielt die Verwendung der Leichten Sprache ab?
Wie bereits erwähnt, ist der Zweck der Leichten Sprache, den Zugang zu Informationen vor allem für Menschen mit Lernbehinderung, aber auch für Nicht-Muttersprachler:innen, bildungsferne Personen oder Personen, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, zu gewährleisten.
Die Verwendung der Leichten Sprache leistet einen besonderen Beitrag zur Umsetzung des Konzepts der Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen, welches in der UN‑Behindertenrechtskonvention (Art. 9) enthalten ist. Die darin enthaltene Definition von Zugänglichkeit fordert die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen dazu auf, „geeignete Maßnahmen“ zu treffen, um „Menschen mit Behinderungen den gleichberechtigten Zugang [zu] [...] Information und Kommunikation […] zu gewährleisten“.

Was ist der Unterschied zwischen Leichter und Einfacher Sprache?
Bereits in den 1990er Jahren gab es einen ersten Versuch, eine vereinfachte Sprache einzuführen: die sogenannte Einfache Sprache. Aber was unterscheidet nun die Leichte von der Einfachen Sprache?
- Die Einfache Sprache diente ursprünglich vor allem der Vereinfachung der Kommunikation im bürokratischen und administrativen Kontext, wurde aber später auch in anderen Bereichen eingesetzt. Leichte Sprache zielt hingegen darauf ab, alle Arten von Texten verständlich zu machen. Ursprünglich wurde sie hauptsächlich für literarische Texte verwendet.
- Die Einfache Sprache richtet sich an ein allgemeines Publikum, während die Leichte Sprache für eine engere Zielgruppe definiert ist. Eine unmittelbare Folge davon ist, dass in der Leichten Sprache präzisere Schreibregeln gelten. Obwohl Texte in Einfacher Sprache komplexer sind als solche in Leichter Sprache, folgt auch die Einfache Sprache bestimmten Grundregeln: Fremdwörter müssen vermieden oder erklärt werden, die Sätze müssen kurz (maximal 15-20 Wörter) und der Text muss klar und sinnvoll strukturiert sein. Schließlich müssen Texte in Einfacher Sprache klar verständliche Informationen übermitteln, ohne sich dabei Ironie oder Metaphern zu bedienen.
Welche konkreten Kriterien gelten für die Leichte Sprache?
Um einen Text in Leichter Sprache zu verfassen, müssen bestimmte Kriterien eingehalten werden. Diese betreffen sowohl das Layout und die Formatierung als auch die Gestaltung des Textes. Besondere Aufmerksamkeit gilt darüber hinaus der Syntax, der Grammatik und dem Wortschatz.
- Layout/Formatierung
- Nummerieren Sie die Seiten.
- Verwenden Sie eine gut lesbare Schriftart (ohne Serifen), Größe 14+.
- Richten Sie den Text nach links aus.
- Vergrößern Sie die Zeilen- und Absatzabstände.
- Erleichtern Sie die Verständlichkeit des Textes, indem Sie leicht nachvollziehbare Erklärungsbilder oder Bilder mit Beschriftungen einfügen.
- Setzen Sie die Überschriften in Fettdruck.
- Beginnen Sie jeden Satz in einer neuen Zeile.
- Informationsgestaltung
- Machen Sie die wichtigsten Informationen sichtbar.
- Ordnen Sie die Informationen in einer chronologischen und/oder logischen Reihenfolge an.
- Fassen Sie nicht mehr als ein Thema in einem Absatz zusammen.
- Erläutern Sie Konzepte anhand konkreter Beispiele.
- Verwenden Sie für Listen Aufzählungszeichen.
- Syntax, Grammatik und Wortschatz
- Schreiben Sie maximal 1-2 Zeilen lange Sätze.
- Schreiben Sie nur aktive und positive Sätze.
- Verwenden Sie einen möglichst einfachen Wortschatz.
- Wenn dies nicht möglich ist, erklären Sie komplizierte Begriffe mit einfachen Worten.
- Teilen Sie ein Wort nicht auf mehrere Zeilen auf.
- Schreiben Sie Zahlen in Ziffern.
- Sofern möglich, verzichten Sie auf Pronomen, sondern wiederholen Sie den Namen (auch wenn dies zu Wiederholungen führt – Wiederholungen sind willkommen).
- Verwenden Sie keine Synonyme: Bezeichnen Sie denselben Begriff immer mit demselben Wort.
- Verwenden Sie das Präsens.
- Verwenden Sie den Indikativ und den Imperativ, nicht den Konjunktiv.
- Schreiben Sie Daten vollständig aus.
- Verzichten Sie auf Akronyme und Abkürzungen.
- Verwenden Sie keine Metaphern.
- Sprechen Sie die Personen direkt an (mit du/ihr/Sie).

Leichte Sprache: ein Mittel zur Barrierefreiheit in der Kommunikation
Wie Sciumbata feststellt, ist die Leichte Sprache ein wesentliches Instrument, um den Zugang zu Informationen, aber auch zu Kultur, Literatur und Bildung zu gewährleisten. Die Leichte Sprache kommt nicht nur Menschen mit einer Lernbehinderung zugute, sondern sie hilft auch Menschen mit bestimmten Pathologien bzw. Menschen, die unter physischen, psychischen oder kulturellen Bedingungen leben, welche ihre Fähigkeiten, einen geschriebenen Text zu verstehen, einschränken. Die Leichte Sprache ist ein Mittel zur Beseitigung von Hindernissen – wobei es sich selbstverständlich nicht um physische Hindernisse, sondern um Kommunikationsbarrieren handelt. Trotz einiger verbesserungswürdiger Aspekte (vor allem in Bezug auf das relativ weit definierte Zielpublikum, welches sich durch viele unterschiedliche Bedürfnisse auszeichnet), handelt es sich bei der Leichten Sprache zweifelsohne um ein wichtiges Instrument für einen gleichberechtigten Zugang zu Informationen.
Leicht verständlich zu kommunizieren, bedeutet aber nicht, zu trivialisieren, grundlegende Informationen wegzulassen oder das kulturelle Niveau eines Textes zu senken, sondern einen Text unter Beibehaltung seines ursprünglichen Zwecks leichter zugänglich zu machen. Nicht zuletzt trägt das Formulieren auf Leichter Sprache dazu bei, ein Verständnis für die Schwierigkeiten, auf die Personen beim Umgang mit Standardtexten stoßen können, zu entwickeln. So werden wir uns auch dessen bewusster, was wir schreiben.
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Bieten wir Übersetzungen in Leichte Sprache an? Nein – aber wir übersetzen in Einfache Sprache!
Um als Übersetzung in Leichte Sprache bezeichnet werden zu können, müssen alle Texte von Personen mit Lernbehinderung überprüft werden. Nur auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass Übersetzungen in die Leichte Sprache tatsächlich leicht verständlich sind. Aus diesem Grund bieten wir keine Übersetzungen in Leichte Sprache an. Aber wir adaptieren bzw. übersetzen Ihren Text in die Einfache Sprache, damit er sich für ein größtmögliches Publikum und u. a. auch für Nicht-Muttersprachler:innen oder bildungsferne Personen eignet.
